Sonja Enste

Über Ökoempathie

Für die vielfältigen und komplexen Gefühle, die gesunderweise aufkommen, sobald man sich ehrlich mit dem Ausmaß der Klimakatastrophe auseinandersetzt, hat sich im Sprachgebrauch aktuell leider das Wort KLIMAANGST durchgesetzt.

In diesem Beitrag

Dieses Wort ist nicht ganz ideal, denn es reduziert sehr viele verschiedene Gefühle auf ein einziges Gefühl, das in unserer Gesellschaft sehr negativ besetzt ist.

Dadurch schwingt auch oft eine gewisse Pathologisierung der “Klimaängstlichen” mit. Das heißt, dass oft angenommen wird, dass Menschen, die ihre Gefühle zur Klimakatstrophe thematisieren statt wegzuschieben, einfach besonders ängstlich oder zart besaitet wären und ihre Angst irgendwie übertrieben, unrealistisch oder sogar krankhaft sei. So kann in der öffentlichen Debatte leicht der Eindruck entstehen, “Klimaangst” zu haben, sei eine Schwäche. Wenn wir stattdessen andere Worte benutzen, um emotionale Reaktionen auf die Klimakatastrophe zu beschreiben, entstehen gleich ganz andere Assoziationen.

Sagen wir doch z.B. mal Ökoempathie statt Klimaangst!

Das wird den Gefühlen, über die wir hier sprechen, eigentlich viel mehr gerecht. Es weist nämlich auf die ganz wichtige Fähigkeit hin, mit seinen Mitmenschen und Mit-Lebewesen auf der Erde mitzufühlen.

Wenn du ökoempathisch bist, kann das also heißen, dass du...

👉 dich einer angstmachenden Zukunft stellst, anstatt sie lieber schnell wegzuschieben.

👉 eher bereit bist, dich unbequemen Fragen zu stellen, deren Antworten vielleicht nicht weniger unbequem sein werden.

👉 zulässt, dass dich das Leid anderer Menschen und Lebewesen wirklich im Innern berührt.

👉 verstehst, dass alles miteinander verbunden ist und eine Lösung nur funktionieren kann, wenn sie die Bedürfnisse aller Menschen und Lebewesen berücksichtigt.

👉 auch um die Verluste von Artenvielfalt, Landschaften, Lebensweisen und Menschenleben trauerst, die jetzt schon geschehen.

👉 Kraft im Austausch mit anderen Menschen finden kannst, denen die Klimakrise auch nahe geht.

👉 nicht einsam und alleine kämpfen musst, sondern dich mit Mitstreitern verbinden kannst, die sich alle auf ihre Weise dafür einsetzen, die Klimakrise zu verlangsamen und uns an die neuen Herausforderungen anzupassen.

Also für mich klingt das eigentlich ziemlich stark und mutig und überhaupt nicht besonders ängstlich.